Schwerbehinderte Arbeitnehmer genießen vielfach besonderen rechtlichen Schutz. Neben dem üblichen Jahresurlaub, der ihnen wie allen Arbeitnehmern zusteht, haben sie einen Anspruch auf zusätzlichen bezahlten Urlaub, wenn ihre körperliche, geistige oder seelische Behinderung den Grad von mindestens 50 beträgt. Liegt der Grad der Behinderung darunter, hat er keinen Anspruch auf Zusatzurlaub, selbst wenn eine Gleichstellung im Sinne von § 2 Abs. 3 SGB IX vorliegt.
Stand Oktober 2026: Der Zusatzurlaub für schwerbehinderte Menschen ist seit dem 1. Januar 2018 in § 208 SGB IX geregelt; inhaltlich gilt weiter ein Anspruch auf fünf zusätzliche Arbeitstage bei einer Fünftagewoche. Geändert hat sich durch die Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts der Verfall: Urlaub verfällt grundsätzlich nur, wenn der Arbeitgeber zuvor konkret auf den drohenden Verfall hingewiesen und zur Urlaubnahme aufgefordert hat. Das gilt nach dem Urteil vom 30. November 2021 (9 AZR 143/21) auch für den Zusatzurlaub. Weiß der Arbeitgeber allerdings nichts von der Schwerbehinderung, kann der Zusatzurlaub trotz fehlenden Hinweises verfallen. Arbeitnehmer sollten die Schwerbehinderung oder den laufenden Feststellungsantrag deshalb frühzeitig schriftlich mitteilen.
Gewährung, Dauer und Voraussetzung
Der Urlaubsanspruch bei Schwerbehinderung gemäß § 208 SGB IX entsteht ab dem Zeitpunkt, ab dem das Versorgungsamt die Schwerbehinderung feststellt. Dies ist grundsätzlich rückwirkend der Zeitpunkt der Antragstellung. Der Urlaubsanspruch beträgt in der Regel fünf zusätzliche Urlaubstage im Jahr bei einer 5-Tage-Woche, soweit nicht tarifliche, betriebliche oder sonstige Urlaubsregelungen einen längeren Zusatzurlaub für Schwerbehinderte vorsehen. Bei der 6-Tage-Woche erhöht sich der Zusatzurlaub auf sechs Arbeitstage, bei der 4-Tage-Woche verringert er sich auf vier Arbeitstage (§ 208 SGB IX).
Besonderheiten bei der Berechnung
Der Urlaub bei Schwerbehinderung berechnet sich wie folgt, wenn die Schwerbehinderung nicht während des gesamten Kalenderjahrs besteht: Der schwerbehinderte Arbeitnehmer hat zeitanteilig für jeden vollen Monat der im Beschäftigungsverhältnis vorliegenden Schwerbehinderung einen Anspruch auf ein Zwölftel des Zusatzurlaubs (§ 208 Abs. 2 SGB IX). Bruchteile von Urlaubstagen, die mindestens einen halben Tag ergeben, werden auf volle Urlaubstage aufgerundet.
Rückwirkende Anerkennung der Schwerbehinderung
Wenn die Schwerbehinderung rückwirkend festgestellt wird, hat der schwerbehinderte Arbeitnehmer für jeden vollen Monat, in dem die Schwerbehinderung besteht, einen Anspruch auf ein Zwölftel des Zusatzurlaubs (§ 208 Abs. 2 SGB IX). Für die Übertragung des Zusatzurlaubs in das nächste Kalenderjahr gelten in diesem Fall die urlaubsrechtlichen Regelungen des Arbeitsverhältnisses (§ 208 Abs. 3 SGB IX).
Praxistipp: Arbeitnehmer sollten den Zusatzurlaub schon während des Feststellungsverfahrens beim Arbeitgeber ausdrücklich geltend machen, damit er nicht verfällt.
Urlaubsübertragung und Verfall
Für die Übertragbarkeit des Zusatzurlaubs ins nächste Kalenderjahr sowie für den Urlaubsverfall gelten die üblichen urlaubsrechtlichen Regelungen. Der Arbeitnehmer sollte den Zusatzurlaub im laufenden Urlaubsjahr beantragen, zweckmäßig schriftlich und unter Vorlage des Schwerbehindertenausweises. Der Zusatzurlaub verfällt zum Jahresende bzw. zum Ende des Übertragungszeitraums nur, wenn der Arbeitgeber rechtzeitig auf den Verfall hingewiesen hat. Dieser Hinweis setzt voraus, dass er von der Schwerbehinderung weiß; der Arbeitnehmer sollte den Arbeitgeber daher frühzeitig informieren.
Wichtig: Bei einer Teilzeitbeschäftigung ist die Verteilung der Arbeitszeit auf die Wochentage maßgeblich für die Dauer des Zusatzurlaubs.
Quelle: Zusatzurlaub: Schwerbehinderung von Arbeitnehmern | Personal | Haufe
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